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Berlin/Frankfurt a.M., 25. Juni 2020

Bündnis Frist ist Frust: „Vier Milliarden Euro für Befristung und Ausbeutung“
Mittelbauvertreterinnen und –vertreter sowie Gewerkschaften kritisieren Umsetzungspläne des „Zukunftsvertrags Studium und Lehre stärken“

Als Vergeben einer historischen Chance bewertet das Bündnis „Frist ist Frust“ den „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“. Den Aushandlungsprozess zu diesem Bund-Länder-Vertrag wird die Ge-meinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) voraussichtlich am Freitag (26.6.) in Berlin endgültig ab-schließen. Das Bündnis, initiiert vom Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft sowie den Gewerk-schaften ver.di und GEW, kritisiert, dass die jährlich rund vier Mrd. Euro, die durch den Vertrag ab 2021 zeitlich unbegrenzt an die Hochschulen fließen, nicht an mehr dauerhafte Beschäftigung und bessere Arbeitsbedingungen an den Hochschulen geknüpft werden. Stattdessen werde die Verantwortung vom Bund an die Länder und von dort an die einzelnen Hochschulen verschoben. Das Bündnis hatte unter anderem gefordert, die Schaffung von Dauerstellen verbindlich im Vertrag festzuschreiben, eine Ober-grenze für die Lehrverpflichtung einzuziehen und die Beschäftigten in den Prozess einzubeziehen. Nichts davon werde aus Sicht des Bündnisses umgesetzt.

Dr. Andreas Keller, stellvertretender GEW-Vorsitzender und verantwortliches Vorstandsmitglied für Hochschule und Forschung, sagt dazu: „Wir wissen aus Erfahrung: Je größer der beschäftigungspoliti-sche Spielraum der Hochschulen ist, desto höher ist die Befristungsquote. An den Universitäten sind wir bei etwa 90 Prozent angekommen! Zum Schutz der Beschäftigten muss die Freiheit der Hochschu-len in dieser Frage dringend begrenzt werden. Hierfür hätte der Zukunftsvertrag die perfekten Voraus-setzungen geboten. Die Hochschulen bekommen jährlich vier Milliarden Euro aus dem Zukunftsvertrag, die der Sicherung einer hohen Qualität in Studium und Lehre dienen sollen. Warum der Bund, der dau-erhaft 50 Prozent der Gelder zahlt, den Ländern keine klaren Vorgaben macht, wie die Beschäftigungs- und Qualitätssicherungsziele des Zukunftsvertrages zu erreichen sind, ist unbegreiflich. Hochschullehre ist eine Daueraufgabe, für die Dauerstellen zu schaffen sind.“
Sylvia Bühler, für Bildung, Wissenschaft und Forschung zuständiges Mitglied des ver.di-Bundesvor-standes kritisiert: „Es passt nicht zusammen, wenn sich Hochschulen und Politik auf der einen Seite darauf verlassen, dass Beschäftigte in der Corona-Krise ad hoc ein digitales Semester aus dem Boden stampfen und sie auf der anderen Seite einem Großteil dieser Beschäftigten prekäre Arbeitsbedingun-gen zumuten. Anerkennung und Wertschätzung sieht anders aus. Der Zukunftsvertrag ist jedenfalls für zehntausende befristet Beschäftigte kein Vertrag in eine bessere Zukunft und damit eine große Enttäu-schung. Studium und Lehre dürfen nicht auf prekärer Arbeit aufgebaut sein, stattdessen braucht es Dauerstellen und klare Perspektiven. Wir geben keine Ruhe, bis diese ungehörigen Praktiken abgestellt sind.“
Dr. Dr. Peter Ullrich, Vertreter des Netzwerks für Gute Arbeit in der Wissenschaft (NGAWiss) betont: „Der ‚Konsultationsprozess‘ der vergangenen Monate zum Zukunftsvertrag zwischen dem Bundesmi-nisterium für Bildung und Forschung (BMBF) und den zuständigen Länderministerien war von einer skandalösen Intransparenz geprägt. Beteiligung der Betroffenen – Fehlanzeige. Das lässt nichts Gutes für die Umsetzung in den Ländern und an den Hochschulen erwarten. Politik und Hochschulleitungen täten aber gut daran, diesen Fehler nicht zu wiederholen. Die Beschäftigten werden ihnen das nicht nochmal durchgehen lassen.“

Solidarisch durch die Krise III.

Für eine nachhaltige Unterbrechung des Normalzustands

 

„Marx sagt, die Revolutionen sind die Lokomotiven der Weltgeschichte. Aber vielleicht ist dem gänzlich anders. Vielleicht sind die Revolutionen der Griff des in diesem Zug reisenden Menschengeschlechts nach der Notbremse.“ (Walter Benjamin, Über den Begriff der Geschichte. Werke und Nachlass / kritische Gesamtausgabe, Bd. 19, Berlin 2010, S. 153)

So könnte die ‚Corona-Krise‘ auch aussehen: Ausschlafen, mit den Kindern der Nachbar_innen spielen, für die alte Dame im oberen Stockwerk einkaufen. Publikationen absagen oder aufschieben (es gibt sowieso zu viele und manche brauchen schon ohne Corona Jahre bis zur Publikation), in der Lehrveranstaltung über die Beförderung der Pandemie durch den ungehemmten globalen Kapitalismus diskutieren, Prüfungen still oder offen bestreiken.

Die Gesellschaft insgesamt und die Wissenschaft brauchen nicht mehr Output und Konkurrenz – sondern mehr Muße, kritisches Bewusstsein und Solidarität. Wir wollen auch keine autoritäre Simulation des ‚Normalbetriebs‘ auf Kosten der Mitarbeiter_innen und keine ‚Lockerung‘ auf Kosten der Kranken und Älteren, sondern, wie wir schon Anfang April schrieben, ein „Innehalten und Umdenken“ („Solidarisch durch die Krise I“) oder eben mit Walter Benjamin: Den Griff nach der Notbremse aufgrund der bereits im ‚Normalbetrieb‘ unerträglichen Zustände und eines möglichen Rasens in die Katastrophe.

Angesichts der jüngsten ‚Lockerungen‘ des Shutdowns und der Debatten um eine möglichst schnelle Rückkehr zum ‚Normalzustand‘ überkommt uns ein gewisses Unbehagen: Als hätten viele den Eindruck, ‚wir‘ (Deutschland) – gern ausdrücklich im Gegensatz zu ‚anderen‘ genannt – wären ganz gut durch die Corona-Krise gekommen, und eigentlich seien die ganzen Maßnahmen doch vielleicht etwas übertrieben gewesen. Ist schon vergessen, dass der Shutdown notwendig war (und teils ist), um Vorerkrankte und ältere Menschen vor einer Ausbreitung des Virus zu schützen? Dass er vielleicht nicht in dem Ausmaß nötig gewesen wäre, wenn die Gesundheitssysteme (hierzulande nicht so sehr Betten, sondern Pflegekräfte und Testkapazitäten) nicht kaputtgespart und durch Fallpauschalen heruntergewirtschaftet worden wären, unter den gegebenen (lies: politisch hergestellten) Umständen aber unabdingbar war?

Doch wie sah der Shutdown aus der Perspektive der Wissenschaftler_innen und Lehrenden aus? In der Zeit des angeblich stillstehenden öffentlichen Lebens liefen wir auf Hochtouren. Von einem Tag auf den anderen haben uns die Hochschulleitungen ins Home-Office und die Zoom-Lehre dekretiert. Wir haben in unbezahlter Mehrarbeit innerhalb weniger Tage komplette Seminarkonzepte umgestellt, uns in neue Technologien eingearbeitet, die Sorgen von Studierenden aufgefangen – während wir zugleich Kita und Schule für eigene Kinder ersetzt, Angehörige gepflegt und mit eigenen Krisen gekämpft haben. Seit den ersten ‚Lockerungen‘ scheinen nun unsere Forderungen, die unzähligen geleisteten Mehrarbeitsstunden (von den Kosten für Drucker, Bücher, Telefon etc. pp. ganz zu schweigen) wenigstens ein Stück weit zu kompensieren, im Äther verschwunden. Die Forderungen nach einem ‚Nicht-Semester‘ oder ‚Solidarsemester‘ wurden von den wohlsituierten Universitätsleitungen nonchalant vom Tisch gewischt. Nicht einmal die Regelungen des Bundes wie die Verlängerung der Maximalbefristungszeit im Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) wurden flächendeckend verbindlich getroffen, sondern geben den Hochschulen allein die Möglichkeit, Verträge zu verlängern – oder eben auch nicht.

Kurz und knapp: Uns besorgt zutiefst, dass die derzeitige Tendenz, Mehrkosten, Mehrarbeit und Informationsbeschaffung auf uns als Individuen abzuwälzen, nicht grundsätzlich hinterfragt wird. Es ist nur zu angemessen, in der Notsituation und aufgrund von Angst um die Zukunft nach kurzfristigen Hilfen und Ausgleichsmechanismen zu fragen. Wie bekomme ich Kinderbetreuung? Wie kann ich meinen Arbeitsoutput leisten, meine Qualifizierungsziele und Prüfungen schaffen? Wie setzt meine Hochschule die Verlängerung der WissZeitVG-Maximalbefristungsdauer um? Wo finde ich verlässliche Informationen dazu? Die diesbezügliche Desorganisation wurde politisch hergestellt, indem (anders als bei Kitas und Schulen) die Entscheidungen den Ländern oder gar den Hochschulen überantwortet wurden. Damit sind der Willkür und der Abwälzung von Lasten auf die Arbeiter_innen Tür und Tor geöffnet anstatt dass verbindliche Regelungen zu deren Schutz geschaffen wurden. Der Vertrag des einen wird unbürokratisch verlängert, die andere muss kurz vor Vertragsende noch die teuren Bücher für ihre Seminare selbst bezahlen. Ist darum nicht die eigentliche Frage die nach der Akzeptanz der  Rahmenbedingungen, die sich darin ausdrücken? Geht es nicht darum, die willkürlich gesetzten und im Corona-Modus krampfhaft aufrechterhaltenen, ja tatsächlich im Hinblick auf eine neue Digitalisierungsideologie schon wieder reformulierten Effizienzanforderungen des Wissenschafts- wie des Wirtschaftsbetriebs endlich nachhaltig zu hinterfragen und gleichzeitig darum zu kämpfen, dass uns allen daraus keine Nachteile erwachsen?

Was wird denn im hegemonialen politischen Diskurs derzeit ‚Solidarität‘ genannt? Können wir von Solidarität sprechen, wenn der Staat den kapitalistischen Normalbetrieb (inklusive der Hochschulen) durch Milliarden von Steuergeldern aufrechterhält oder dies zumindest simuliert – die daraus entstehenden Zumutungen und existentiellen Fragen aber individualisiert? Kann man es Solidarität nennen, wenn politische Akteur_innen von Boris Palmer über Armin Laschet bis zum ‚Widerstand 2020‘ zunehmende ‚Lockerungen‘ des Shutdowns mit der notwendigen Unterstützung der jüngeren und mittleren Generationen begründen? Ist es tatsächlich solidarisch, wenn 500 Wissenschaftler_innen in einem (in anderen Punkten wie der Kritik an der feudalen Lehrstuhlstruktur  eigentlich begrüßenswerten) Offenen Brief behaupten: „Wenn es eine Generation gibt, welche die langfristigen Folgen der aktuellen Krise schultern muss, dann ist es vorwiegend diese Generation [der unter 50-Jährigen].“ Es fällt doch eher schwer, in diesen Beispielen, in denen Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausgespielt werden, Solidarität zu erkennen. Tatsächlich müssen die Folgen der Pandemie insbesondere die weniger privilegierten Angehörigen aller Generationen schultern. Es ist wahr und absolut zentral, dass die jüngeren Generationen mit einer Wissenschaft (ja einer ganzen Welt) zurechtkommen müssen, die die durch einen neoliberal zugespitzten Kapitalismus effektiv zerstört wurde. Wahr ist aber auch, dass massenhaft prekarisierte Ältere Jahrzehnte lang zum gesellschaftlichen Reichtum inklusive des wissenschaftlichen Betriebs beigetragen haben, ohne dafür angemessen entlohnt zu werden – und jetzt bedeutet bekommen, dass die anfängliche ‚Rücksicht‘ auf ihr erhöhtes gesundheitliches Risiko in der Pandemie dem ‚Hochfahren‘ der Maschine in die ‚Normalität‘ doch eigentlich irgendwie im Weg stehe.

‚Normalität’ ist ein Zauberwort jeder Krise und gleichzeitig die Chimäre, die gern vergessen lässt, dass auch die Normalität längst krisenhaft war. Es scheint uns aus dem Blick zu geraten, dass wir schon im ‚Normalzustand‘ überarbeitet waren, strukturell bedingte Depression und Krankheiten dem sub-optimierten Subjekt überantwortet wurden, dass wir trotz Klimakatastrophe und fortgesetzter Überproduktion (von Autos wie Drittmittelanträgen) ohne Geschwindigkeitsbegrenzung ein Leben im Ausnahmezustand gelebt haben. Nun soll der kapitalistische ‚Normalbetrieb’ weiter laufen und laufen? Keine Produktion darf länger stillstehen? Keine Prüfung darf abgesagt, kein Artikel oder Seminar verschoben werden?

Mit Walter Benjamin sehen wir keine andere Option als den Griff nach der Notbremse. Wir wollen kein Hamsterrad. Wir wollen Zeit und Raum für gute Forschung, gute Lehre und ein gutes Leben. Erst wenn sich die Arbeiter_innen an den Hochschulen endlich entscheiden, nunmehr in einen selbstbestimmten Shutdown zu gehen, wird sich grundsätzlich etwas ändern. Kurzfristig umgesetzt werden müssen zunächst die folgenden Minimalforderungen:

  • Wir fordern die Abschaffung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes in seiner derzeitigen Form und  stattdessen eine verbindliche Regelung zur Entfristung aller Verträge promovierter Wissenschaftler*innen nach spätestens 2 Jahren (s. Forderungskatalog NGAWiss.). Bis dahin muss es zumindest einen Rechtsanspruch auf eine faktische (und nicht nur mögliche) Verlängerung aller Stipendien, (Projekt-)Stellen, Fristen für Tenure-Track-Verfahren und Lehraufträge um die Zeit des Shutdowns geben. Die doppelte Verlängerungszeit sollen Menschen mit Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen erhalten; dasselbe soll bis zum Ende der Pandemie für Vorerkrankte und deren Mitbewohner_innen gelten (vgl. unser Papier „Solidarisch durch die Krise II“).
  • Mehrkosten (bspw. Computer, Bücher, Telefon und Räume inkl. Mieten und Heizung im Homeoffice) müssen von Arbeitgeber_innen unbürokratisch und vollumfänglich übernommen werden. Mehrarbeit durch Digitalisierung, Reorganisation und Sorgearbeit, sei es für Kinder, Partner_innen und Eltern oder Freund_innen und Nachbar_innen ist, etwa durch einen Corona-Bonus, volständig zu entlohnen. Dabei gilt: Sorgearbeit muss auch über die Entschädigungsregelung im Corona-Steuerhilfegesetz hinaus als Arbeitszeit anerkannt werden. Andernfalls verletzen die Arbeitgeber_innen ihre Fürsorgepflicht (§618 BGB) und die Pflicht zum Ersatz von Aufwendungen (§670 BGB).

Das aufgrund der Corona-Pandemie verspätet angelaufene Sommersemester 2020 hat inzwischen längst begonnen, der Hochschulbetrieb wurde unter erschwerten Bedingungen und mit erheblichen Herausforderungen für Lehrende wie Studierende aufgenommen, das Studium größtenteils in den virtuellen Raum verlegt – und immer noch ist keine angemessene Unterstützung für all die Studierenden in Sicht, die aufgrund der derzeitigen Ausnahmesituation in finanzielle und existenzbedrohende Notlagen geraten sind! Die Ende April von Bildungsministerin Anja Karliczek versprochenen „Soforthilfen“ für Studierende in finanziellen Notlagen wurden zu Recht unmittelbar scharf kritisiert: Weder ein Studienkredit über 650€, für den nach einem Jahr Laufzeit Zinsen anfallen, noch ein lediglich dürftig ausgestatteter Nothilfefonds stellen eine ausreichende Unterstützung dar. Wie eine aktuelle Untersuchung zeigt, haben eine Million Studierende seit März ihren Job und damit vielfach ihre Existenzgrundlage verloren. Das ohnehin lediglich von 12% der Studierenden in Anspruch genommene BAFöG bietet hier keinesfalls die soziale Absicherung, die das Bildungsministerium ihm zuschreibt – viele Betroffene fallen vielmehr vollständig durch das Raster sozialer Sicherungssysteme, so dass hohe Verschuldung oder ein Studienabbruch als einzige Lösungen bleiben. Ausländische Studierende und Studierende mit Care-Verantwortung sind hier in besonderem Maß betroffen.

Ein im Mai an die Landes- und Bundespolitik gerichteter offener Brief sowie eine Petition für rückzahlungsfreie Soforthilfen mit über 50.000 Unterstützer*innen haben bisher keine Erfolge gebracht. Daher hat nun der freie zusammenschluss von student*innenschaften (fzs) gemeinsam mit dem Bundesverband ausländischer Studierender (BAS) zu bundesweiten Protesten aufgerufen, in mehr als zehn Städten wurde am 8. Juni demonstriert, eine weitere Großkundgebung wird am 20. Juni in Berlin stattfinden.

Wir als Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft (NGAWiss) unterstützen die Proteste der Studierenden und die studentischen Forderungen nach einem Solidarsemester 2020 in vollem Umfang. Die gegenwärtige Ausnahmesituation darf nicht ausgerechnet zur Misere für diejenigen werden, die ohnehin sozial benachteiligt und an den Hochschulen nach wie vor unterrepräsentiert sind. Es besteht dringend politischer Handlungsbedarf, wenn die Uni nicht denen vorbehalten sein soll, die sich das Studieren leisten können!

Precarious International Online!

Discussion Forum (June, 25 – July, 1) and final Zoom panel (July, 1 6pm, CET)

 

Please find below:

– Our initial call for participation that we sent out in early January, with a deadline for the registration of interest and suggestions at February 15 (which yielded much response!)
– Covid-19-induced changes of date(s)& format, digital infrastructure, schedules, (re-)registration/contact

Please keep on joining us!


OUR INITIAL CALL FOR PARTICIPATION (Jan. 2020)

 

Dear all,

many of us have made and continue to make disenchanting experiences, to say the least, in the German academic system. While it markets itself as a world of excellence, liberal egalitarianism, cosmopolitanism, freedom and generosity towards scholars at risk, the reality of its structural labour conditions and culture of ignorance betray this image to be a grotesque misrepresentation. German academia is characterised by an ingrained and almost cultivated lack of consciousness towards multiple forms of discrimination (based on race, class, gender, age, etc.) and by related modalities of exclusion as well as paternalistic and infantilizing norms and practices particularly vis-à-vis international and non-naturalized scholars and students. As a system that has never been as much as confronted with a debate on quotas or human rights, German academia expects everybody to ‘integrate’ into what is essentially a structure normatively built around the ‘white male’ and organised according to steep hierarchies around disciplinary chairs. The consequences are direct dependencies of various kinds and precarious, fixed-term employment structures unparalleled by international comparison.

Many who came here with hopes and expectations have meanwhile withdrawn, tending to pressing political issues in other ways. While very much understandable, this inadvertently strengthens the fragmentation and division among the large class of underprivileged and precarious scholars that the system relies upon. The Network for Decent Labour in Academia (Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft, NGAWiss) has been working for the past three years to publicise and scandalise the miserable employment conditions in German academia and to advocate for structural reforms. Its working group ‘Precarious International’ aims to make intersectional discrimination a central issue of the network’s activism.

As a part of this effort, we invite scholars, unionists and activists with different histories of mobility and migration to discuss and reflect on the intersection between precarious labour conditions and different forms of discrimination in the German academic system. We want to come together and learn from each other in order to come to a better analysis of the different problems and challenges faced by differently positioned scholars and activists, but also to exchange experiences and knowledges over struggles for academic freedoms and labour conditions in different contexts. The aim is both to position the question of labour in academia within broader societal struggles in Germany and to link it up to related struggles in other countries.

We propose to frame the discussion along two lines of debate and exchange. However, we are very much open to alter and adapt this proposal according to what participants consider urgent and relevant to be discussed!

1) Critical diversity: As against a neoliberal depoliticised celebration of diversity that follows a calculative logic of added value while blanking out structural inequalities, we want to engage in a critical discussion on the realities of diversity in German academia.

Possible questions to be discussed include: what are the effects, limitations and problems of current discourse and practices of diversity? Is it possible – and acceptable – to speak of ‘race’ and ‘ethnicity’ in the European and especially German context? When does it make sense to speak of ‘migration backgrounds’ to address the issue of underrepresentation of scholars in high academic positions? What are the concrete problems and challenges faced by people with a variety of different migration/mobility histories? What about forms of discrimination affecting people who do not master the German language? And how do these issues intersect with other vectors of discrimination, such as class, age, gender or disability?

2) Network of solidarity: We want to learn from each other’s struggles and experiences, think through concrete possibilities for solidarity and envision common political actions.

How can we connect the activities of scholars, unionists, and activists struggling against precarious labour and different forms of inequality and discrimination in different academic settings? What are the larger political struggles in which these activities are involved? How and what can we learn from each other? What kinds of concrete steps towards mutual assistance could be developed and what common political actions could be envisioned?


COVID-19-INDUCED CHANGES

 

Dates, Times and Format

We have decided, so as to ease participation for as many interested as possible under the given conditions, to stretch the event over a week into a flexible workshop format. The workshop is open from Thursday, 25th of June until Wednesday, 1st of July. There will be several discussion forums where participants are invited, at their own times of convenience, to share inputs and discuss different questions and critical issues. Finally, on Wednesday, 1st of July, at 6pm, we are planning to have a final Zoom online panel to bring together the different insights and questions that were raised in the different forums and round up our workshop.

Digital infrastructure

We have decided to rely on Moodle as a platform, for several reasons. It appears the safest option in terms of data protection. We are also hoping that many of you might already have had experiences with using Moodle (however, we will prepare a tutorial video for you to help you navigate the platform, so no worries if you have no experiences!). It allows us not only to set up a number of discussion forums according to our different topics and themes, but also to upload inputs that can be shared and viewed by the different participants at times of their convenience. And finally, it permits us to set up a Zoom conference that would be embedded within Moodle itself. We are using Humboldt University’s Moodle system and therefore also its Zoom licence, which adheres to stricter data protection standard than the publicly available version.

Contents

Drawing on our initial call but slightly adapting topics to this open workshop format, there will be three main discussion forums, open throughout the week, with several subsections:

1) Critical perspectives on the German academic system

  • Intersections of labour precarity and discrimination on different grounds (critical diversity)
  • The predicaments of a labour market dependent on third-party funding
  • The systemic logic behind Germany’s policy of academic labour precarisation/casualisation

 

2) Academic struggles in various contexts

  • Political campaigns
  • Anti-precarity initiatives/labour and union struggles
  • Intersections between the two

 

3) Towards a Precarious International

  • Possibilities for solidarity
  • Action plans

 

We hope to welcome many of you to our shifted gathering! While inhibiting our physical meeting, Covid-19 has opened the digital doors to potentially many more people, across Europe and beyond, fighting similar fights as we do. Please do not hesitate to contact us in case you still want to take part. We will then provide you with more details.

Your Precarious International-team Alice, Asli, Britta, Christopher, Florence, Kathrin and Zeynep

Contact:

alice.bieberstein@hu-berlin.de

Bundesweites Netzwerktreffen Digital, 6. Juni – Corona und Personalmodelle

Auch in diesem Jahr findet wieder das bundesweite Netzwerktreffen statt. Neu in diesem Jahr: wir veranstalten das Treffen im virtuellen Raum am Samstag, den 6. Juni.

Sorgen um An- und Abreise bleiben aus – schaltet euch einfach zur Veranstaltung zu! Allerdings hat die Pandemie-bedingte Situation noch für viele neue Sorgen und Herausforderungen im Wissenschaftssystem gesorgt, die wir aufgreifen wollen!

Wir planen, das Treffen in zwei je etwa 2-stündigen Etappen via zoom zu bestreiten. Am Vormittag (9:30-12:00 Uhr) möchten wir Gelegenheit zum offenen Austausch über aktuelle Anliegen und Kämpfe geben, am Nachmittag (13:30-16:00 Uhr) würden wir gerne mit euch anhand einer von uns ausgearbeiteten Vorlage über mögliche neue Personalmodelle an Universitäten diskutieren. Das an deutschen Hochschulen vorherrschende Lehrstuhlprinzip steht aus vielen Gründen in der Kritik – doch was sind die Alternativen? Sollte es mehr (Tenure-Track)Professuren geben, aber ohne Lehrstühle? Oder sollte die Professur ganz abgeschafft werden? Wir wollen konkret mit Euch diskutieren, welche Ausgestaltungen in welchem Finanzrahmen möglich sind. Den Aufschlag dazu hatten wir ja bereits beim Netzwerktreffen 2019 gemacht. Ziel ist es nun, ein gemeinsames Papier zu verabschieden.

Aus unserer Perspektive bietet ein digitales Netzwerktreffen die Möglichkeit, dass sich auch diejenigen von Euch beteiligen können, die lange Anfahrtswege nach Berlin sonst eher vermieden hätten. Wir erhoffen uns daher einen intensiven Austausch z.B. über Eure gegenwärtigen Anliegen und Aktionen von Hochschulinis oder Fachgesellschaften (gerade auch in Corona-Zeiten), über neue Vernetzungsmöglichkeiten (und deren Schwierigkeiten), oder im Hinblick auf Informations-/Diskussionsbedarf laufender NGAWiss-Aktionen (Frist ist Frust, Precarious Internationale). Zur Erweiterung unseres Forderungskatalogs um den Punkt ‘Intersektionale Gerechtigkeit’ gibt es z.B. bereits eine ausführliche Stellungnahme der Ini Konstanz, die sich für eine Diskussion am Vormittag anbieten würde.

Wir bitten um Anmeldung per Mail (Betreff: „Anmeldung Netzwerktreffen 2020“)!